Monatsarchiv für April, 2009

Krankenbesuche erfordern Einfühlungsvermögen

 

 

 

Krankheiten und kleinere Unfälle gehören zum Leben eines Menschen. Viele Unpässlichkeiten lassen sich mit einer kurzen Bettruhe auskurieren, manchmal jedoch wird ein Aufenthalt im Krankenhaus notwendig. Dieser ist in der Regel unangenehm, denn der Patient ist sowohl in der Bewegungs- als auch in der Entscheidungsfreiheit stark eingeschränkt. Besucher sollten deshalb auf den Kranken viel Rücksicht nehmen und dessen Aufforderungen Folge leisten.

 

Sofern der Patient nicht ein direkter Verwandter oder ein enger Freund ist, sollte ein Besuch telefonisch abgesprochen werden. Vielen Menschen ist es nicht recht, wenn Kollegen oder Bekannte sie im Krankenhaus besuchen. Lehnt der Patient den Besuch also dankend ab, sollte dieser Wunsch uneingeschränkt akzeptiert werden. Ein Strauss Blumen und ein Karte kann auch ohne einen persönlichen Besuch geschickt werden und zeigt dem Erkrankten die Anteilnahme. Auch bei freudigen Ereignissen wie einer Geburt sollte erst gefragt werden, ob ein Besuch gewünscht ist.

 

Freut sich der Patient auf ein bisschen Unterhaltung, sollte der Zeitpunkt abgesprochen werden, damit nicht andere Freunde oder die Familie ebenfalls anwesend sind und der Kranke überfordert wird. Als kleines Mitbringsel eignen sich Illustrierte, Bücher oder auch ein Rätselheft, denn der Tag im Krankenhaus ist lang. Wer den Geschmack des Erkrankten nicht kennt, sollte unauffällig nachfragen oder ihn direkt ansprechen, ob er etwas benötigt. Essbares sollte nur den Kranken mitgebracht werden, die keine Schonkost erhalten. Im Zweifelsfall lohnt hier die Rücksprache mit dem Personal.

Während des Aufenthalts sollte der Besucher sich setzen, allerdings auf einen der bereitstehenden Stühle. An der Bettkante beginnt die Privatsphäre der Kranken! Hier dürfen sich nur wirklich enge Freunde und der Lebenspartner niederlassen- es sei denn, der Kranke fordert explizit dazu auf.

Die Gesprächsthemen sollten möglichst unverfänglich sein. Kollegen können durchaus etwas von der Arbeit erzählen, am besten natürlich etwas Lustiges. Auch vom letzten Ausflug oder dem Kinofilm am vergangenen Abend kann berichtet werden. Gut ist alles, das den Kranken für eine Zeit ablenkt. Nur wenn dieser von sich aus auf seine Erkrankung zu sprechen kommt, darf sie angesprochen werden.

Kommt der Arzt zur Visite in das Zimmer, sollte der Besuch unaufgefordert hinausgehen. Bei Frauen, die gerade entbunden haben und das Neugeborene stillen möchten, sollte zumindest angeboten werden, dass Zimmer zu verlassen. Auf jedem Gang befinden sich Sitzgelegenheiten, die der Besucher nutzen kann, bis er wieder hinein gebeten wird.

 

Ein Krankenbesuch sollte nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen, denn oft gibt sich der Besuch die Klinke in die Hand. Sofern die Möglichkeit besteht und der Erkrankte nicht an das Bett gefesselt ist, kann ein kleiner Spaziergang durch den Krankenhauspark unternommen werden. So rückt die bedrückende Enge des Zimmers für einige Minuten in die Ferne und der Kranke bekommt ein wenig Abwechslung. In jedem Fall aber sollte auf die Wünsche und Bedürfnisse des Erkrankten Rücksicht genommen werden.

jetzt kommentieren? 25. April 2009

Mobiltelefone im Büro

Nahezu jeder Erwachsene besitzt ein Mobiltelefon, das er auch in der meisten Zeit mit sich führt. Während es in der Freizeit schon lange zur Normalität gehört, das Telefon zu verwenden, sollte der Umgang mit dem Gerät zumindest im Büro deutlich eingeschränkt werden. Das private Handy gehört grundsätzlich in die Tasche oder in den Spind, dazu sollte es zumindest stumm geschaltet werden. Dies geschieht aus Rücksicht auf die Kollegen, deren Arbeit die volle Konzentration fordert- kaum etwas ist störender bei der Arbeit als ein lautes Klingeln oder der Signalton für eine ankommende Kurznachricht. Wer ein eigenes Büro besitzt, kann das Telefon dagegen durchaus an lassen, jedoch nur dann, wenn das Gerät nicht zuviel Aufmerksamkeit fordert, denn die Verrichtung der Arbeit sollte im Vordergrund stehen.

 

Dienstliche Mobiltelefone dagegen müssen mitgeführt werden. Damit ein Anruf nicht verpasst wird, dürfen die Ruf- und Signaltöne durchaus angeschaltet sein. Dennoch sollte auch hier darauf geachtet werden, dass die Lautstärke soweit geregelt ist, dass der Anruf nicht auch noch drei Räume weiter bemerkt wird.

In einem Meeting oder gar in einem Kundengespräch hat das Gerät jedoch nichts verloren. Dies gilt gleichermaßen für das private als auch für das dienstliche Mobiltelefon, denn hier herrscht ein absolutes Telefonverbot. Wer einen dringenden Anruf erwartet, kann diesen vorher ankündigen, damit die Gesprächspartner darüber Kenntnis haben, weshalb das Telefon mitgebracht wird. Klingelt das Gerät, sollte man sich kurz entschuldigen und den Raum für das Telefonat verlassen. Allerdings sollte dies die Ausnahme bleiben, besser ist es, eingehende Anrufe an eine verständige Person weiterzuleiten, die einen Rückruf vereinbart.

Das Gleiche gilt für offizielle Geschäftsessen. Ob Anrufe eingegangen sind, kann in einem ruhigen Moment abseits der Gesellschaft überprüft werden.

Ausnahmen gelten für die Geschäftsführer und andere Personen, die einen hochrangigen Platz einnehmen. Diese können für jeden Anlass entscheiden, ob sie ihr Telefon bei sich führen oder nicht, in der Regel werden sie es jedoch lautlos in der Tasche haben- aus Wertschätzung den Kunden und Gesprächspartner gegenüber, die zu jeder Zeit ihre volle Aufmerksamkeit erhalten sollen.

jetzt kommentieren? 10. April 2009

Der Knigge und die Emanzipation

Die Inhalte des Knigge sind nunmehr über 200 Jahre alt. Seit Erscheinen des Werks haben sich die Lebensumstände und die Umgangsformen in der Gesellschaft zum Teil grundlegend geändert. Vor allem die Stellung der Frau ist seitdem eine andere. Die Emanzipation und der heutige Umgang von Frauen und Männern wirken sich entsprechend auch auf die Knigge-Regeln aus.

 

Dabei sind jedoch die Änderungen keineswegs so gravierend, wie man vielleicht annehmen möchte. Noch immer gilt es als höflich, der Dame in den Mantel zu helfen, ihr die Türen aufzuhalten und den Stuhl am Tisch zurechtzurücken. Diese kleinen Aufmerksamkeiten sind allerdings nicht mehr so alltäglich, wie sie es zu Lebzeiten Adolph Freiherr Knigges waren. Vielmehr beschränken sie sich nunmehr auf bestimmte Anlässe, vor allem bei einer Einladung in ein elegantes Restaurant oder einen Opernbesuch. Im Alltag dagegen öffnet in der Regel derjenige die Türen, der gerade voran geht, und auch den Mantel ziehen sich die Frauen meist selber an. Lediglich bei älteren Paaren ist diese Geste noch immer ein festes Ritual. Andersherum gilt es nun als angebracht, auch dem Herrn den Mantel hinzuhalten um ihm so das Anziehen zu erleichtern.

 

Eine wesentliche Änderung wird durch die berufliche Situation der Frau bedingt. Als Knigges Werk „Über den Umgang mit Menschen” erschien, waren Frauen im Beruf eher die Ausnahme, vor allem in gehobenen Positionen waren Frauen nicht anzutreffen. Heute dagegen sind Frauen auch in großen Unternehmen wichtige Arbeitskräfte, denen die entsprechende Wertschätzung entgegengebracht wird. Bei einem Geschäftsessen ist es deshalb nicht mehr unbedingt nötig, sich zu erheben, wenn die Dame den Tisch kurz verlässt- oft jedoch wird an dieser Tradition trotzdem festgehalten. Trifft ein neuer Gast ein, bleibt die Dame auch nicht mehr sitzen, sondern steht ebenfalls auf um ihm die Hand zu reichen. Dies geschieht vor allem aus dem Bedürfnis heraus, dem Mann gegenüber auf Augenhöhe zu sein. Auch deshalb gleichen sich die Verhaltensformen mehr und mehr an.

jetzt kommentieren? 01. April 2009